Absurd

"Denkst Du, das ist real?", - diese Frage wurde mir heute von einem Freund gestellt, dem ich die Ergebnisse des DNR-Referendums geschickt hatte - 99,23% haben für Wiedervereinigung mit Russland abgestimmt. Ist das real? Eine Frage, die man in der deutschen Gesellschaft anscheinend nicht so absurd findet, wie ich.

Kurz zu mir, ich bin im Donbass geboren und seid 2018 in Deutschland.

Zuerst dachte ich, wie kann denn ein intelligenter Mensch daran zweifeln, aber dann habe ich über diese Frage nachgedacht und erkannt, dass sie sehr wichtig ist zu beantworten.

Warum absurd aus meiner Sicht als ehemaliger Donbass-Bewohnerin? Weil Menschen im Donbass acht Jahre lang im Angst lebten. Weil wir eigentlich bereits vor acht Jahren, in 2014 ein Referendum durchgeführt haben um sich von der Ukraine zu lösen, um in einem eigenen Staat zu leben.

Weil all die Jahren, als zivile Menschen von Donbass durch ukrainische Streitkräfte erschossen wurden, all die Jahren, wo durch die wirtschaftliche Bloсkade (was offiziell seit 2017, aber in Wirklichkeit seit 2014 seitens Ukraine auferlegt wurde) Menschen von Hunger starben, all die Jahre haben wir gehofft und auf Russland geduldig gewartet. Übrigens, überlebt haben wir damals dank humanitäre Hilfe aus Russland.

Die Menschen in Donbass, Lugansk, Cherson und Saporoschschje haben jetzt endlich eine Chance auf ein normales, friedliches Leben bekommen, da diese Gebiete jetzt ein Teil von Russland werden, und sofort unter die russische Verfassung fallen, und von Russland geschützt werden. Es wäre total blöd zu denken, dass diese Menschen nach so viel Beschuss und Terror durch die Ukraine auf die Chance in eigener Heimat in Frieden zu leben, so leicht verzichten.

Doch angesichts der Millionen Fake Nachrichten über Referenden in den Regionen DNR, LNR, Cherson und Saporoschschje überrascht es mich nicht, diese Frage von jemandem zu hören, der die Verbrechen des ukrainischen Regimes im Donbass kennt.

Was mich allerdings wundert, dass es nicht so sehr die ukrainischen Internet-Trolle sind, die den Informationskrieg entfesselt haben, sondern auch europäische Politiker wie die deutsche Außenministerin in ihren glänzenden Ausflug in die Logik.

Die westliche Propaganda lässt aber diesmal alle Masken fallen. Westliche Politiker werden leicht zu Verkäufern von Fakes und entwerten damit ihren Status und zeigen eine arrogante Haltung gegenüber den Bürgern ihrer eigenen Länder, die sie anscheinend für dumm halten.

Zum Beispiel nochmals die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock, sie behauptete, dass die Teilnehmer des Referendums "erschossen und vergewaltigt werden und dann drei Tage lang Kreuze machen müssen, während neben ihnen ein Soldat mit Kalaschnikow in der Hand steht".

Die Journalistin aus Rom Grazia-Rosa Vilani, die als internationale Beobachterin an dem Referendum teilnahm, bemerkte, dass tatsächlich bewaffnete Sicherheitsleute eingesetzt wurden, um die Sicherheit der Wähler zu gewährleisten: "Aber das ist verständlich, in Italien stehen auch Carabinieri vor den Wahllokalen".

Als die Wahlbeteiligung nicht gesenkt werden konnte, änderte der Westen abrupt seine Rhetorik und begann, die Rechtsgrundlage für die Referenden zu hinterfragen. US-Präsident Joe Biden gab eine dringende Erklärung ab, in der er die freie Äußerung des Volkswillens als "eklatante Verletzung des Völkerrechts, einschließlich der UN-Charta" bezeichnete.

Ich frage mich, ob man diesen alten Mann nicht Nachhilfeunterricht über den Begriff Demokratie und dann auch über das Völkerrecht geben kann, denn er scheint die Geschichte der USA tatsächlich nicht zu kennen.

In ähnlicher Weise wurden die Referenden auch auf einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates diskutiert.

Dann begann der Westen zu erklären, dass er die Ergebnisse der Volksabstimmungen nicht akzeptiere. Es wird euch überraschen, aber im Donbass und in Russland kümmert sich niemand darum, weil niemand etwas anderes vom Westen erwartet hat.

Der Westen hat nur einen Grund, den Willen der Bewohner der DNR, der LNR und der Regionen Saporoschschje und Cherson nicht anzuerkennen - die mangelnde Bereitschaft, die Realität zu erkennen. Dazu die Angst, das der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zu schnell zu Ende ist. Frau Nuland hatte ja erklärt, das viele Milliarden US Dollar in den letzten Jahren in die Ukraine investiert wurden.

Es gibt aber etwas, was all die westlichen Politiker einfach nicht begreifen. Und wahrscheinlich auch viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die ungläubig diese Zahl 99,23% anschauen. Die Menschen bezahlen  mit ihrem Leben dafür, um die Stimmen bei dem Referendum abgegeben werden können, dafür, dass es überhaupt stattfindet.

Die westlichen, wie man so schön sagt, Quasi-Partner berufen sich gerne auf die Demokratie und die Ergebnisse der Wahlen.

Die Wahlen, die im Donbass, in Cherson und Saporoschschje stattfinden, haben ihre eigene, brutale "Qualitätskontrolle".

Die Wahlkommissionen befinden sich in Schutzkellern, und die Menschen gehen unter Beschuss dorthin. Wenn man eine unter solchen Bedingungen getroffene Wahl nicht als legitim ansieht - was kann dann überhaupt als solche angesehen werden?

Die vier Regionen, in denen das Referendum stattfindet, haben die Möglichkeit ohne Terror und Willkür zu leben und sich zu entwickeln, voll und ganz verdient und dafür auch sehr lange durch die ukrainische Regierung gelitten.

Die Republiken Donezk und Luhansk sind das Ergebnis eines Volkswillens, der die Gewalt des ukrainischen Faschismus gegen sich nicht akzeptiert. Kiew hat nie versucht, mit den Republiken zu verhandeln, sondern ist direkt zur Massenunterdrückung unter Einsatz der Armee und des Hungers übergegangen.

Auch Cherson und Saporoschschje als Regionen mit einer von Kiew als "prorussisch" betrachteten Bevölkerung bekamen den Terror der ukrainischen Sicherheitsdienste mit voller Wucht zu spüren. Viele pro-russische Menschen sind einfach verschwunden.

"Wenn euch was nicht gefällt, geht doch nach Russland" riefen und schrieben die ukrainischen Nationalisten den russischen Bewohnern der Krim zu. Und sie gingen nach Russland. Dasselbe wurde auch an die Bewohner des Donbass gerichtet - und auch sie folgten dem Rat.

Vor einem Jahr hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij wieder einmal den bekannten Ratschlag gegeben, man solle sich nicht wundern, dass die Einwohner von Cherson und Saporoschschje jetzt auch den Rat folgen.

Der Begriff "Annexion", den die westlichen Politiker einzuführen versuchen, ist in der gegenwärtigen Situation völlig unangebracht. Das Wort "Repatriierung" wäre angemessener - viele Wähler wurden in der UdSSR geboren, auf dem Gebiet des historischen Russlands.

Jetzt kehren all diese Menschen in ihr Heimatland zurück. Zusammen mit dem Land, auf dem sie lebten und arbeiteten. Und für welches viele von ihnen leider in den letzten acht Jahren gestorben sind.

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